Archiv für Januar 2013

„Was ist antideutsch ?“ Vortragsabend mit Jan-Georg Gerber

Was ist antideutsch?
Eine kleine Geschichte der deutschen Linken

Vortrag mit Jan-Georg Gerber

Die Antideutschen – seit mehr als 20 Jahren geistern sie nun schon durch die Diskussionen. Die FAZ und der „Tagesspiegel“ widmeten ihnen Artikel, die israelische „Haaretz“ berichtete bereits mehrfach über die „anti-German communists“, und selbst das mecklenburg-vorpommerische Bildungsministerium, das weder als Trendsetter noch als Speerspitze elaborierter Erkenntnis bekannt ist, hat sie inzwischen entdeckt. Obwohl also alle bereits von ihnen gehört haben, weiß doch niemand etwas Genaues. In der „Jungle World“ heißt es, sie würden Veganer und Hunde hassen. Im linksradikalen Internetportal „Indymedia“ wird regelmäßig darüber diskutiert, ob sie nun von der CDU, dem israelischen Geheimdienst Mossad oder der CIA finanziert werden. Und Mecklenburg-Vorpommerns Landesamt für Verfassungsschutz hält sie für Extremisten und Verfassungsfeinde. Nicht einmal die Antideutschen selbst scheinen richtig über sich Bescheid zu wissen. Soll den deutschen Zuständen nun, wie ihr Vordenker Karl Marx vor 150 Jahren schrieb, der Krieg erklärt werden, oder ist die politische Ordnung der Bundesrepublik, wie es vor einigen Jahren in der „Bahamas“, der wohl bekanntesten antideutschen Zeitschrift hieß, unter Umständen sogar zu verteidigen? Und: Gibt es etwas „Linkes“ an antideutscher Kritik, oder bestehen die Antideutschen doch nur, wie gelegentlich gefragt wird, aus „rechten Leuten von links“? Zur allgemeinen Verwirrung verzichten einige Antideutsche inzwischen selbst auf den Begriff „antideutsch“ und bezeichnen sich ausschließlich als Ideologiekritiker.

Um die allgemeine Konfusion aufzulösen, soll im Rahmen des Vortrags gefragt werden: Was heißt antideutsch, woher kommen die Antideutschen, was wollen sie, und vor allem: wer finanziert sie? Um diese Fragen beantworten zu können, ist es weniger nötig, über die Antideutschen selbst zu sprechen als über die Geschichte der deutschen Linken und die linke Angewohnheit, bei jeder Sauerei ganz vorn dabei zu sein.


Jan-Georg Gerber ist freier Journalist, schreibt regelmäßig für „Bahamas“ und „Jungle World“ und ist Autor mehrerer Bücher über die Geschichte und den Verfall der deutschen Linken.

Vortrag mit Diskussion am 15.03.2013, 20 Uhr, Ort: Haus Böll

„Warum die Tagesschau keine Naturreportage ist “ Vortragsabend mit Assoziation gegen Kapital und Nation Hannover (Junge Linke Niedersachsen)

Warum die Tagesschau keine Naturreportage ist
Kritische Überlegungen zur biologistischen Weltsicht

In der politischen Diskussion wie auch in privaten Auseinandersetzungen wird gerne mal darauf verwiesen, das die eigene Position durch die neuesten Erkenntnisse über die biologische Natur der Menschen bewiesen worden sei.

Es sind zwar auf den ersten Blick nicht immer konservative Sichtweisen, die durch die menschliche Biologie erklärt werden, sondern durchaus auch gut gemeinte sich selbst als progressiv verstehende Positionen, die mit derselben Biologie gestützt werden sollen. Und so kommt die Ehre der nun einmal so gegebenen und notwendigen Existenz menschlichen Miteinanders mal den unangenehmen bis ekelhaften Verhältnis zwischen ‚Frauen‘ und ‚Männern‘ zu und mal dem in Gruppen gemeinsam lebenden bürgerlichen Primaten mit freier Liebe alla Bonobos.

Ebenfalls nicht immer wird dabei soweit gegangen, das man sagt, der Mensch sei gänzlich unfrei und seiner Natur ausgeliefert. Wobei der unfreie Wille häufig genug die heutigen Konflikte erklären soll. So zum Beispiel in der populären Hirnforschung oder in Teilen der soziobiologischen Verhaltensforschung mit den von ihr tief in sich erfühlten Verhaltensmustern des ewigen Steinzeitmenschen.

Aber selbst die Kritiker_innen solch eines festgelegten Willens, gehen häufig davon aus, das die menschlichen Handlungen zu einem gewissen Prozentsatz durch die Natur des Menschen festgelegt seien. Sie versuchen die genetischen Anlagen von den durch die Umwelt oder die Gesellschaft angenommenen Verhaltensweisen zu trennen. Und das alles natürlich mit dem größten Anschein von naturwissenschaftlichen ‚Hardfacts‘ gegen die die gesellschaftswissenschaftlichen ‚Softfacts‘ ja ihrer Definition gemäß eh keinen Stich landen können.

So oder so, immer werden menschliche Handlungen und gesellschaftliche Verhältnisse nicht als solche erklärt, sondern ganz oder teilweise auf ihre vermeintliche Naturbasis zurückgeführt. Den Kritiker_innen dieser Verhältnisse wird dann entgegnet, die Menschen seien so wie sie eben seien müssten. Die Kritik am Bestehenden sei deshalb der falsche Weg um Veränderungen herbeizuführen.

Neben der offensichtlichen Brauchbarkeit von biologischen Erklärungen für herrschaftsbezoges Denken und Handeln, ist es gerade die Übereinstimmung mit den Erfahrungen der apersonalen Herrschaft, wie sie die kapitalistischen Nationen auszeichnet, die biologische Grundkonstanten und Verhaltensmuster so beliebt sein lassen. Bei allem Unsinn, der sich dabei ergibt, steckt darin neben der Verklärung für manche eben doch der Versuch einer Erklärung der scheinbaren Naturnotwendigkeiten von Produktion, Politik und dem so gleichförmigen privaten Leben aller Leute im Kapitalismus. Doch diese Erklärung ist falsch und führt deshalb zu teilweise seltsamen politischen Forderungen. Zum Beispiel zu der Forderung, Forderungen sein zu lassen.

Die biologische Erklärung gesellschaftlicher Zusammenhänge, die mit dem Schimpfwort des „Biologismus“ versehen wurde, ist wie gesagt immer falsch und deshalb zu kritisieren. Wie es sich wirklich mit der Natur des Menschen verhält und warum wir noch immer politische Arbeit machen, statt der Evolution bei ihren politischen Kapriolen – aufbereitet durch die Tagesschau – einfach nur zuzusehen, wollen wir von ERO und jl-hannover mit allen Interessierten diskutieren.

Vortrag mit Diskussion am 8.2.2013, 20 Uhr, Ort: Cafe Median