Archiv für Oktober 2011

Veränderung des Selbstverständnisses

Infolge diverser Diskussionen haben wir uns entschlossen, unser Selbstverständnis um folgenden Punkt zu erweitern:


Gegen jeden Antisemitismus!

Antisemitismus unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von „normalem Rassismus“.
Während Rassismus die Angst vor, bzw. die Ablehnung gegenüber einer Menschengruppe darstellt, die als „anders“, oftmals als „minderwertig“ wahrgenommen wird, ist der Antisemitismus die konkrete Angst vor der als übermächtig wahrgenommen, angeblich einheitlich handelnden jüdischen Existenz. Ob die Juden hierbei nun als „Rasse“ oder nur als Religion wahrgenommen werden, ändert nichts an dieser Tatsache.
Diese Tatsache, aber auch die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte, welche geprägt waren von antisemitischen Anfeindungen, die schließlich ihren Höhepunkt in dem wohl schrecklichsten Ereignis der bisherigen Geschichte der zivilisierten Menschheit, in der Schoa fanden, bringt uns dazu, noch einmal explizit auf Antisemitismus hinzuweisen und unsere Ablehnung ihm gegenüber zu erklären.
In diesem Zusammenhang wollen wir auch auf die Gefahren von verkürzter Systemkritik hinweisen. Denn wer den Kapitalismus auf einige wenige, geschlossen handelnde Menschen reduziert, denkt in ähnlichen Mustern wie Antisemit_innen. In beiden Fällen wird eine Minderheit, welche angeblich von „oben“ und „außen“, mit bösen Absichten handelt, als Ursache für fast alle, oder zumindest für viele Übel auf der Welt angesehen. Somit ist der „Weg“ von verkürzter Kapitalismuskritik hin zu antisemitischem Irrglauben nur ein kurzer.
Dass diese Aussage nicht aus der Luft gegriffen ist, beweisen praktische Beispiele, denn gerade bei Verschwörungstheoretiker_innen, also bei jenen Gruppen oder Einzelpersonen, die ihre Existenz in verkürzter Systemkritik begründen, oder aber auch bei rechten Gruppierungen, deren nahezu gesamte Ideologie eine verkürzte Kapitalismuskritik an sich darstellt, hat Antisemitismus Hochkonjunktur.
Neben den Gefahren, die wir in verkürztem Denken sehen, ist solch eine Kritik am derzeitigen Gesellschaftssystem außerdem absolut unwissenschaftlich.
Denn im Kapitalismus gibt es zahlreiche Zwänge, die einzelne Menschen zu ihrem Handeln bewegen und als Ungerechtigkeit wahrgenommene Dinge entstehen nicht aus Bosheit, sondern aus diesen Zwängen heraus.
Oder, um es mit den Worten von Marx auszudrücken: „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen“ (MEW 8, 115)
Demnach gilt also, dass auch „oben“ und „unten“ im Kapitalismus letztenendlich in der Gesamtgesellschaft begründet liegt.
Wir sagen daher: Kapitalismuskritik statt Kapitalist_innenkritik!
Heutzutage bedeutet der Kampf gegen Antisemitismus darüber hinaus vor allem Kampf gegen den Islamismus als Spielart der radikalen Rechten und gegen die sich formierende „antisemitische Internationale.“ In diesem Zusammenhang sprechen wir uns gegen jede Zusammenarbeit mit radikal- islamistischen Gruppen wie Hamas, Hisbollah und ähnliche aus, und sei die Zusammenarbeit auch nur taktischer Natur, wie z.B. in der Taktik der so genannten „Antiimperialistischen Einheitsfront“. Gruppen, die in ihrem Programm Aussagen wie „Der jüngste Tag wird nicht kommen bevor nicht die Muslime gegen die Juden kämpfen und sie töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Und jeder Baum und Stein wird sagen: ,Oh Muslim, oh Diener Gottes, da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn!“ (Charta der Hamas, Artikel 7) und ähnliche Botschaften des Hasses beinhalten, dürfen nicht einmal in geringem Maße Unterstützung erhalten. Eine Solidarität mit der palästinensischen Nationalbewegung beispielsweise halten wir aufgrund der antisemitischen Verhetzung dieser Bewegung für sehr gefährlich und schlicht falsch, denn ein Sieg dieser würde unendliches Leid und ein Massenmord an den in Israel lebenden jüdischen Menschen bedeuten. (siehe hierzu auch: http://ero.blogsport.de/2011/06/16/solidaritaet-mit-palaestina/)
Unsere Solidarität hingegen sprechen wir all jenen Menschen und Menschengruppen aus, die aus anitsemitischen Motiven heraus gehasst, angegriffen oder verfolgt werden.
Da eine Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus ferner nicht um eine Aussage zum Staat Israel herumkommt, sei hierzu folgendes gesagt:
Kritik am Staat Israel ist für uns auf jeden Fall dann antisemitisch, wenn
1.behauptet wird, dass Israel der Sitz allen Bösen sei, die Welt beherrsche oder ähnliches
2.doppelte Standards an Israel Politik angelegt werden (sprich: was sonst auf der Welt niemanden stört, wird plötzlich an israelischer Politik angeprangert)
3.wenn Israel als einziger Staat auf der Welt delegitimiert wird, bzw. wenn die Delegitimation Israels besonders in den Vordergrund gerückt wird.

In diesem Sinne: Kampf der sich formierenden antisemitischen Internationalen, gegen jeden Antisemitismus!

„Krieg den deutschen Zuständen! Allerdings!“ (Karl Marx)

Da bereits nahezu alles, was zum dritten Oktober zu sagen ist, den diversen Aufrufen zu den Gegenprotesten zum nationalen Freudentaumel zu entnehmen ist (besonders hervorzuheben ist hier noch einmal der unten bereits erwähnte Aufruf „imagine there’s no Deutschland“), begnügen wir uns damit, noch einmal mit ein wenig Musik unser herzlichstes „Fuck You, Deutschland!“ zum Ausdruck zu bringen: