Selbstverständnis – Antifaschismus

Plädoyer für die Organisation einer emanzipatorischen Antifa ohne Kompromisse

Dass Nazis ziemlich scheiße und auf allen Ebenen zu bekämpfen sind, sollte eigentlich gar nicht zur Diskussion stehen. Ihre Ideologie steht wie kaum eine andere für Ausgrenzung, Hass und Gewalt. Ihre volksgemeinschaftlichen Kollektivträume, die keinen Platz für individuelle Freiheit, für Entfaltung, für ein selbstbestimmtes Leben kennen, werden mit allen Mitteln durchgesetzt.
Diese menschenverachtende Ideologie, die vor allem auf der Straße ihre Kraft sammelt, bedeutet überall dort, wo ihr Räume geboten werden, dass es für Menschen, die nicht dazu gehören (wollen), nahezu unmöglich wird, sich in diesen Räumen zu bewegen.
National-befreite Zonen und faschistische Morde sind hierbei nur die Spitze einer alltäglichen Bedrohungssituation, die ein antifaschistisches Eingreifen unerlässlich werden lassen.
Und dieses Eingreifen muss von uns kommen, können wir nur selber tun:
Denn in Deutschland werden jeden Tag Menschen in Hunger, Elend und Not abgeschoben, Naziparteien werden finanziert, Naziaufmärsche werden durch die Polizei durchgesetzt, antifaschistischer Widerstand wird kriminalisiert. Es zeigt sich also deutlich, dass der Staatsantifaschismus keiner ist, und schon gar keiner ist, auf den wir uns verlassen könnten.
Entsprechend konsequent kann sich eine emanzipatorische Antifa nur gegen Deutschland stellen.
Aber das ist noch nicht das Schlimmste, Vertrauen und Bitten an den Staat gehören eh nicht zu unserem Programm, aber auch innerhalb der bürgerlichen Mitte und auch der deutschen Linken, bis weit in die Kreise der radikalen Linken hinein, sind Nationalismus und Antisemitismus akzeptierter und praktizierter Bestandteil der Alltagskultur. Entsprechend rar gesät sind mögliche Bündnispartner_Innen mit denen eine konsequente antifaschistische Politik, die sich ernst meint, durchgesetzt werden kann.
Es zeigt sich, dass unser Verständnis von Antifaschismus nicht bei einem reinen „gegen Nazis“ stehen bleibt. Wir wollen alles, und deshalb kann es keine Kompromisse geben. Wir können und werden bei der Durchsetzung antifaschistischer Mindeststandarts, und dazu gehört eine klare Absage an die Nation, dazu gehört eine Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit mit antisemitischen Schläger_Innenbanden, keine Rücksicht darauf nehmen, wem wir auf die Füße treten, denn dafür ist dieses Thema viel zu ernst.
So unterschiedlich innerhalb unserer Gruppe, die Erklärungsansätze für faschistische Bewegungen sind, so einig sind wir uns doch, dass es unser legitimes Recht ist, sich Nazis dort entgegenzustellen, wo sie auftreten. Wir werden keine Räume für faschistische Positionen ermöglichen, dort, wo es bereits diese Räume gibt, werden wir alles daran setzen, diese Räume zurück zu holen.
Antifaschismus ist deshalb für uns mehr als Bücher lesen und mehr als Lichterketten. Antifaschismus muss praktisch werden, muss konkret sein, dabei geht es aber nicht um ein einfaches, tlw. mackerhaftes, „Nazis klatschen“, sondern es geht darum, dass Nazis in der Öffentlichkeit, im Privaten und in den Köpfen unmöglich gemacht werden.
Ein erster Schritt ist hierbei die Etablierung einer antifaschistischen Kultur und die Schaffung einer Gegenöffentlichkeit gegen die Zumutungen des nationalen Normalzustandes und noch mehr gegen die Bedrohung ihrer negativen Aufhebung durch Faschist_Innen.
Wir wollen gemeinsam viel erreichen, aber das geht nur, wenn wir alle nicht mehr in Angst vor Übergriffen durch Nazis und andere Nationalist_Innen und Antisemit_Innen leben müssen, und wenn Räume für alle zugänglich sind.
Deshalb bekämpfen wir Nazis und Co, obwohl es ungefähr so viel Spaß macht, wie den Müll raus zu bringen und wir alle eigentlich etwas Besseres zu tun haben.
Eine antifaschistische, linksradikale Praxis zu erarbeiten und zu erkämpfen, und antifaschistische Räume herzustellen, und dabei sich selbst treu bleiben und keine falschen Kompromisse einzugehen, wäre der Anfang einer antifaschistischen und emanzipatorischen Organisation, wie wir sie uns vorstellen.