Archiv für April 2011

Heraus zur revolutionären 1. Mai Naziblockade

Aufruf
Publiziert am 3. April 2011 von greifswaldnazifrei

1. Mai 2011 – Greifswald – Naziaufmarsch blockieren!
Am Sonntag, dem 1. Mai 2011, will die NPD unter dem Motto „Unsere Heimat – unsere Arbeit! Fremdarbeiterinvasion stoppen“ durch Greifswald marschieren. Dies werden wir verhindern! Gemeinsam und entschlossen wollen wir den Aufmarsch der NPD blockieren!

Die Nazis und der 1. Mai:
Es ist schlimm genug, dass sie aufmarschieren wollen. Viel schlimmer ist jedoch, dass dies am 1. Mai geschehen soll. An jenem Tag, der wie kein anderer weltweit für den Kampf um gleiche Rechte und ein besseres Leben für alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Religionszugehörigkeit oder sexueller Orientierung, steht.
Neonazis treten am 1.Mai nicht für ein solidarisches Miteinander im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung ein, sondern nutzen die existentiellen Ängste der Bevölkerung (z.B. die Sorge vor Verlust der Lohnarbeit) um ihre rassistische und nationalistische Ideologie als vermeintlich einfache Lösung komplexer Sachverhalte darzustellen.
Seit Jahren versuchen rechtsradikale Organisationen Themen wie den 1. Mai, also den internationaler Kampftag der ArbeiterInnenbewegung, ebenso wie die alliierten Bombardements auf Dresden oder den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, aufzugreifen und umzudeuten.
Durch die Reduzierung des 1.Mai, auf einen 1933 von Hitler eingeführten gesetzlichen “Feiertag der nationalen Arbeit”, versuchen die Neonazis die Geschichte zu verdrehen. Darum verschweigen sie auch, dass am 2.Mai 1933 die SA und SS Gewerkschaftshäuser stürmten und Gewerkschaftsmitglieder mit zu den Ersten gehörten, die in Konzentrationslagern landeten und umgebracht wurden.
Dies zeigt nur zu deutlich, dass Nazis, damals wie heute, auf soziale Fragen mit Ausgrenzung, Vernichtung und nicht zuletzt Krieg antworten und somit ein respektvolles und friedliches Miteinander ablehnen.

Die NPD in Mecklenburg-Vorpommern:
M-V ist eine Hochburg der NPD. Bei der Landtagswahl 2006 kam die NPD in nahezu allen Wahlkreisen, auch in Greifswald, auf über 5% und zog mit 7,3% deutlich in den Landtag ein. Vor den Toren Greifswalds, in den Wahlkreisen Ostvorpommern I & II, erreichte die NPD sogar 11,6% bzw. 12,2% der Stimmen. Sie ist also in der Region fest verankert und genießt eine breite Unterstützung, die zum Teil sogar bis in die „Mitte der Gesellschaft“ reicht.
Insofern ist der Aufmarsch der NPD und ihrer Anhänger am 1.Mai kein Zufall, sondern ein wichtiger Wahlkampftermin für die bevorstehende Landtagswahl im September.

Nazis? – Blockieren!
Wir wollen, dass die Nazis am 1. Mai auf einen breiten, zivilgesellschaftlichen Widerstand stoßen, um ihnen klar zu machen, dass sie und ihre Ideen weder in Greifswald noch anderswo erwünscht sind oder geduldet werden.
Darum will das Bündnis Greifswald Nazifrei, an diesem Tag mit friedlichen aber entschlossenen & massenhaften Menschenblockaden den Naziaufmarsch in Schönwalde verhindern.
Wir rufen unter dem Motto „Nazis blockieren! … bitte setzen“ alle Menschen dazu auf, sich an den Blockadeaktionen zu beteiligen und somit den Nazis keinen Platz für die Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie zu gewähren.
Von den Blockaden wird keine Gewalt ausgehen und wir erklären unsere Solidarität allen Menschen, die sich dem NPD-Aufmarsch entgegenstellen!

Achtet auf Ankündigungen, sagt es weiter, bringt Freunde & Freundinnen, Verwandte & Bekannte mit.
Gemeinsam blockieren wir die Nazis!
Kein Fußbreit den FaschistInnen!

Bündnis – Greifswald Nazifrei im April 2011

Selbstverständnis – Antifaschismus

Plädoyer für die Organisation einer emanzipatorischen Antifa ohne Kompromisse

Dass Nazis ziemlich scheiße und auf allen Ebenen zu bekämpfen sind, sollte eigentlich gar nicht zur Diskussion stehen. Ihre Ideologie steht wie kaum eine andere für Ausgrenzung, Hass und Gewalt. Ihre volksgemeinschaftlichen Kollektivträume, die keinen Platz für individuelle Freiheit, für Entfaltung, für ein selbstbestimmtes Leben kennen, werden mit allen Mitteln durchgesetzt.
Diese menschenverachtende Ideologie, die vor allem auf der Straße ihre Kraft sammelt, bedeutet überall dort, wo ihr Räume geboten werden, dass es für Menschen, die nicht dazu gehören (wollen), nahezu unmöglich wird, sich in diesen Räumen zu bewegen.
National-befreite Zonen und faschistische Morde sind hierbei nur die Spitze einer alltäglichen Bedrohungssituation, die ein antifaschistisches Eingreifen unerlässlich werden lassen.
Und dieses Eingreifen muss von uns kommen, können wir nur selber tun:
Denn in Deutschland werden jeden Tag Menschen in Hunger, Elend und Not abgeschoben, Naziparteien werden finanziert, Naziaufmärsche werden durch die Polizei durchgesetzt, antifaschistischer Widerstand wird kriminalisiert. Es zeigt sich also deutlich, dass der Staatsantifaschismus keiner ist, und schon gar keiner ist, auf den wir uns verlassen könnten.
Entsprechend konsequent kann sich eine emanzipatorische Antifa nur gegen Deutschland stellen.
Aber das ist noch nicht das Schlimmste, Vertrauen und Bitten an den Staat gehören eh nicht zu unserem Programm, aber auch innerhalb der bürgerlichen Mitte und auch der deutschen Linken, bis weit in die Kreise der radikalen Linken hinein, sind Nationalismus und Antisemitismus akzeptierter und praktizierter Bestandteil der Alltagskultur. Entsprechend rar gesät sind mögliche Bündnispartner_Innen mit denen eine konsequente antifaschistische Politik, die sich ernst meint, durchgesetzt werden kann.
Es zeigt sich, dass unser Verständnis von Antifaschismus nicht bei einem reinen „gegen Nazis“ stehen bleibt. Wir wollen alles, und deshalb kann es keine Kompromisse geben. Wir können und werden bei der Durchsetzung antifaschistischer Mindeststandarts, und dazu gehört eine klare Absage an die Nation, dazu gehört eine Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit mit antisemitischen Schläger_Innenbanden, keine Rücksicht darauf nehmen, wem wir auf die Füße treten, denn dafür ist dieses Thema viel zu ernst.
So unterschiedlich innerhalb unserer Gruppe, die Erklärungsansätze für faschistische Bewegungen sind, so einig sind wir uns doch, dass es unser legitimes Recht ist, sich Nazis dort entgegenzustellen, wo sie auftreten. Wir werden keine Räume für faschistische Positionen ermöglichen, dort, wo es bereits diese Räume gibt, werden wir alles daran setzen, diese Räume zurück zu holen.
Antifaschismus ist deshalb für uns mehr als Bücher lesen und mehr als Lichterketten. Antifaschismus muss praktisch werden, muss konkret sein, dabei geht es aber nicht um ein einfaches, tlw. mackerhaftes, „Nazis klatschen“, sondern es geht darum, dass Nazis in der Öffentlichkeit, im Privaten und in den Köpfen unmöglich gemacht werden.
Ein erster Schritt ist hierbei die Etablierung einer antifaschistischen Kultur und die Schaffung einer Gegenöffentlichkeit gegen die Zumutungen des nationalen Normalzustandes und noch mehr gegen die Bedrohung ihrer negativen Aufhebung durch Faschist_Innen.
Wir wollen gemeinsam viel erreichen, aber das geht nur, wenn wir alle nicht mehr in Angst vor Übergriffen durch Nazis und andere Nationalist_Innen und Antisemit_Innen leben müssen, und wenn Räume für alle zugänglich sind.
Deshalb bekämpfen wir Nazis und Co, obwohl es ungefähr so viel Spaß macht, wie den Müll raus zu bringen und wir alle eigentlich etwas Besseres zu tun haben.
Eine antifaschistische, linksradikale Praxis zu erarbeiten und zu erkämpfen, und antifaschistische Räume herzustellen, und dabei sich selbst treu bleiben und keine falschen Kompromisse einzugehen, wäre der Anfang einer antifaschistischen und emanzipatorischen Organisation, wie wir sie uns vorstellen.

Selbstverständnis – Antikapitalismus

Im Kapitalismus verkommt alles zur Ware, jeder noch so kleine Bereich der Gesellschaft ist käuflich, es verbleibt nichts privates, nichts individuelles gegenüber der Allmacht des Kapitals.
Die im Kapitalismus produzierten Waren entstehen ferner aus ungleichen Besitzverhältnissen, was zwangsläufig auch eine ungleiche Verteilung dieser Waren, des gesellschaftlichen Reichtums bedeutet, wodurch sich einige Menschen viel materiellen Reichtum aneignen können, während andere zu Armut verdammt sind. Und diese Kluft zwischen arm und reich wächst immer weiter. Dies liegt aber weder an der Boshaftigkeit der „Reichen“, noch an der Dummheit der „Armen“, denn sie alle richten sich nach den Gesetzen des Kapitalismus und versuchen mit ihren vorgefundenen Möglichkeiten zurechtzukommen. Nicht die Bedürfnisse aller Menschen sind oberste Maxime im Kapitalismus, sondern die Erringung von möglichst viel Profit.
Hieraus resultiert ein ständiges Konkurrenzdenken, alle Menschen versuchen, einander auszustechen und befinden sich in ständigem ökonomischen Kampf zueinander.
All diese Dinge bringen uns zu dem Punkt, dass der Kapitalismus überwunden werden, und durch ein Gesellschaftssystem, welches sich an den menschlichen Bedürfnissen orientiert, ersetzt werden muss.
Sicher ist, dass sich der Kapitalismus nicht Stück für Stück, durch Reformen beseitigen lässt , sondern nur in seiner Gesamtheit abgeschafft werden kann.
Gleichzeitig wehren wir uns gegen jeglichen reaktionären „Antikapitalismus“, welcher an Stelle der derzeitig herrschenden Verhältnisse ein noch schlimmeres System errichten möchte.
In diesem Zusammenhang richten wir uns auch gegen verkürzte Kapitalismuskritik, denn es sind nicht einige wenige „Spekulantenschweine“, keine bösen, geldgierigen Manager, die an allem übel Schuld sind, es ist der Kapitalismus an sich, welcher all dies hervorbringt.
Verkürzte Kapitalismuskritik ist daher nicht nur falsch, sie kann sogar sehr gefährlich sein.

Der Kampf gegen Kapitalismus ist für uns weiterhin auch der Kampf gegen die Versuche des Kapitals, die Widersprüche zwischen Nationalstaat und Überproduktion innerhalb des Systems zu lösen, also der Kampf gegen Kolonialismus, Kriege und ähnliches, aber auch hierbei muss es ums Ganze gehen, solche Themen dürfen nicht losgelöst vom Kapitalismus betrachtet werden.

In der Aufklärung wurde ein universelles Glücksversprechen formuliert, welches innerhalb des Kapitalismus nicht eingelöst werden kann.
Anstelle das hinzunehmen, fordern wir das Versprechen ein!

Selbstverständnis – Antisexismus

Nahezu überall auf der Welt leben die Menschen in patriarchalen Zuständen, sprich in Gesellschaften, in welchen mehr oder minder ausgeprägt „Männer“ über „Frauen“ herrschen.
Dabei werden diese zwei Geschlechterrollen konstruiert und aus diesen Konstrukten werden bestimmte Eigenschaften abgeleitet, beispielsweise, dass „Frauen“ sanft seien oder dass „Männer“ keine Gefühle zeigen können.
Diese Geschlechterrollen sind dabei aber allein schon aus wissenschaftlicher Sicht Blödsinn und entsprechen nicht der Realität, da es z.B. mehrere Formen von Intersexuellen gibt, also Menschen, die biologisch gesehen weder dem „männlichen“ noch dem „weiblichen“ Geschlecht zuzuordnen sind. Weiterhin gibt es etliche Menschen, die sich selber einem anderen Geschlecht zuordnen würden, als jenes, in welches sie die Gesellschaft sozialisieren möchte, oder von sich sagen, dass sie gar keinem Geschlecht zugeordnet werden möchten. Hinzu kommt, dass patriarchale Gesellschaften in der Regel auch mit Heteronormativität zusammen fallen, sprich mit der Ideologie, dass „Männer“ und „Frauen“ nur Menschen des jeweils anderen Geschlechts lieben dürfen, während Homosexuelle als abnormal oder krank angesehen werden.
Alle Menschen, die aus der konstruierten Zweigeschlechtlichkeit der heutigen Gesellschaft
herausfallen, erfahren viel zu häufig Ablehnung und Diskriminierung, bzw. werden von der Gesellschaft in Rollen gezwängt, die ihnen nicht entsprechen und aus denen sie auf Dauer großen psychischen Schaden davontragen.
Darüber hinaus ist natürlich allein schon das Herrschaftsverhältnis, in welchem „Männer“ über „Frauen“ stehen, vollkommen reaktionär und ohne jegliche Sinnhaftigkeit.
Heutzutage zeigt sich diese Ungleichbehandlung z.B. in niedrigeren Löhnen bei „Frauen“ oder durch erzwungene Verschleierung in extrem patriarchalen Gesellschaften, in welchen fanatische Islamist_innen die Regierungsgewalt inne haben.
Wir stellen uns daher gegen jede Form des Sexismus, der Heteronormativität und der Homophobie.
Jede_r möge sich als das bezeichnen, als was mensch sich fühlt und lieben, wen er_sie möchte.